Heilige Walburga

 

walburgaPatronin der Bauern, der Wöchnerinnen und Augenleidenden ist die heilige Walburga (um 710–um 779), die auch Walburg, Waldburg, Waldburga und Walpurgis genannt wird. Sie leitete im achten Jahrhundert in Bayern ein Kloster, das sich dank ihres Charismas zu einem bedeutenden Kultur- und Missionszentrum entwickelte. Schon im Mittelalter galt sie als eine der bekanntesten deutschen Heiligen.

Die um 710 in Devonshire (Wessex) geborene Walburga stammte aus einer berühmten englischen Familie, die etliche Heilige hervorbrachte. Ihr Vater war der heilige Richard von England (gest. um 720), ihre Mutter dessen Frau Wuna. Zu den namentlich bekannten Geschwistern Walburgas gehörten ihre Brüder Willibald (um 700–787) und Wunibald (701–761), die beide heilig gesprochen wurden.

720 forderte Willibald seinen Vater Richard auf, er solle mit ihm, seinem Bruder Wunibald und anderen Pilgern eine Wallfahrt nach Rom unternehmen. Nach anfänglichem Zögern und Hinweis auf seine „noch unmündigen Kinder“, zu denen Walburga zählte, zog der Vater mit. Während dieser Pilgerreise ist Richard gestorben und in Lucca (Oberitalien) bestattet worden.

Über die Kindheit und Jugend sowie die Ausbildung Walburgas ist wenig bekannt. Man nimmt an, dass sie im englischen Kloster Wimborne erzogen wurde. In Wimborne gab es ein nach der Regel des heiligen Benedikt von Nursia (um 480–547) geführtes Doppelkloster, in dem der Konvent für die Männer und die Frauen voneinander getrennt waren.

Während der Bruder Willigis für immer der Heimat fernblieb, kehrte der Bruder Willibald noch einmal zu einem Besuch nach England zurück. Er ermunterte seine jüngeren Brüder sowie andere Verwandte, seinem Beispiel zu folgen, in den Orden einzutreten und in der Mission zu arbeiten.

Um 739 schickte Papst Gregor III. (gest. 741) Wunibald von Rom aus nach Thüringen zur Missionsarbeit. Willibald, der ins Heilige Land gewallfahrtet war und nach seiner Rückkehr auf Montecassino, dem Mutterkloster des Benediktinerordens in Italien, lebte, erhielt den Missionsauftrag für das bayerisch-fränkische Gebiet. 741 wurde Willibald von seinem Onkel, dem heiligen Bonifatius (672/673–754), zum ersten Bischof der Diözese Eichstätt geweiht.

Irgendwann zwischen 740 und 750 rief Bonifatius Walburga in die germanische Mission. Von ihr weiß man nicht, ob sie schon in England oder erst in Deutschland den Schleier als Ordensschwester erhielt. Vielleicht wurde Walburga im Kloster Tauberbischofsheim bei der heiligen Lioba (um 710–782) oder in Kitzingen am Main von der heiligen Thekla (gest. 790) in die Missionsarbeit eingeführt.

In Heidenheim im Bistum Eichstätt (Bayern) gründete Wunibald 751/752 ein Benediktinerkloster, das er als Abt leitete. Nach Wunibalds Tod 761 übernahm Walburga die Leitung dieses Klosters. In ihrer Begleitung befand sich die angelsächsische Nonne Hugeburg, die später die Pilgerreise des heiligen Willibald nach Rom und ins Heilige Land aufzeichnete.

Zu Lebzeiten Walburgas sollen sich, wie der Priester Wolfhard von Herrieden mehr als ein Jahrhundert nach ihrem Tod berichtete, zwei Wunder zugetragen haben. Im ersten Fall erstrahlte der gemeinsame Schlafraum der Nonnen in einem starken Licht. Zuvor hatte sich der Türhüter der Kirche, in der Walburga gebetet hatte, geweigert, ihr das Licht voranzutragen, und die Äbtissin hatte hungrig ihr Nachtlager aufgesucht. Da erstrahlte auf wunderbare Weise ein helles Licht, sichtbar bis zum Morgen im ganzen Kloster. Im zweiten Fall wurde die im Sterben liegende Tochter eines reichen Mannes durch ihr Gebet wieder gesund.

Walburga starb am 25. Februar 779 in Heidenheim. Ihre Gebeine wurden zwischen 870 und 879 auf Geheiß von Bischof Otgar (gest. 880) nach Eichstätt gebracht und vor dem Chor im Boden der damaligen Kreuzkirche bestattet. 893 überließ Bischof Erchanbald (gest. 912) der Nonne Liubila, die in Monheim ein Kloster für Benediktinerinnen gegründet hatte, einige Reliquien der heiligen Walburga. Auf dem Weg nach Monheim und dort selbst ereigneten sich zahlreiche Heilungen durch die Reliquien, die nach der Aufhebung des Klosters 1542 verloren gingen.

Dank der Stiftung des späteren Eichstätter Domherrn, Graf Leodegar von Graisbach und Lechsgemünd (gest. 1074), wurde am 24. Juli 1035 die Gründungsurkunde für die heutige Abtei St. Walburg in Eichstätt von Bischof Heribert (1022–1042) unterzeichnet. 1042 hob man die Reliquien der heiligen Walburga aus der Erde und setzte sie in einem steinernen Sarg unter dem Hochaltar der Kirche St. Walburg bei.

Unter Walburgas Reliquienschrein bildet sich seit 1042 regelmäßig – ungefähr vom 12. Oktober, dem Tag der Übertragung in die heutige Grabstätte, bis etwa zum 25. Februar, dem Todestag Walburgas – eine glas-klare Flüssigkeit. Dieses so genannte „Walburgis-Öl“, erfreut sich großer Wertschätzung. Es wird durch silberne Rinnen in einer vergoldeten Schale gesammelt, von Klosterfrauen in Glasfläschchen gefüllt, auf Bitte von Hilfesuchenden abgegeben und in alle Welt verschickt. Zahlreiche Bitt- und Dankschreiben aus vielen Jahrhunderten und die über tausend Votivbilder an den Wänden der Gruftkapelle zeugen bis heute von der Hilfe der Heiligen bei unterschiedlichsten Nöten.

Der Todestag der heiligen Walburga, an dem jeweils viele Wallfahrer ihr Grab besuchen, wird am 25. Februar gefeiert. Nach der jüngsten Liturgiereform begeht man das Gedenken der Heiligsprechung Walburgas jeweils am letzten Sonntag im April, das so genannte Maifest. Als eigentliche Heiligsprechung galt jedoch einst die Erhebung der Gebeine und deren Übertragung nach Eichstätt, die zwischen 870 und 879 an einem 21. September erfolgte. Am 4. August gedenkt man im Kloster St. Walburg jeweils der Ankunft Walburgas aus England auf dem Festland.

 

Der um 1460 in Nürnberg für das Benediktinerinnenkloster St. Walburg in Eichstätt gefertigte Bildteppich stellt sechs Szenen aus dem Leben der Klosterpatronin dar. Der Ausschnitt zeigt die Überfahrt der englischen Königstochter Walburga mit ihren Gefährtinnen auf stürmischer See.
Bildteppich mit Szenen aus dem Leben der hl. Walburga Nürnberg, um 1460
Wirkerei, Wolle, Leinen, Metallfäden; Seidenstickerei, Leinen
Harburg, Fürst Wallerstein - Archiv und Sammlungen, Schloss Harburg, D-86655 Harburg
Foto Hirsch, Nördlingen